• antinaspringer

Beziehungen, die bleiben und Beziehungen, die gehen

Weggefährten begleiten uns manchmal ein Leben lang, und manchmal endet der gemeinsame Weg.

Manchmal geht eine Freundschaft ‚sang- und klanglos‘ auseinander, ohne dass vorher eine Ankündigung oder ein Disput stattfanden. Plötzlich wird es offensichtlich, dass kein Kontakt mehr besteht und beim Hineinlauschen in die Situation fühlt es sich im Grunde recht stimmig an, dass es so gekommen ist.


Die Zeit des gemeinsamen Weges scheint beendet zu sein und für jeden Beteiligten wird es jemand anderes sein, der neu zum eigenen sozialen Umfeld dazu kommt und für die nächste Etappe eine Weg-begleitung ist. Emotional schlägt dieses Geschehen keine so großen Wellen. Es wird wahrgenommen, bedauert und reflektiert, bis die energetische Bindung so weit gelöst ist, dass beide betroffene Systeme, beide Energiefelder, wieder für sich stehen.


Gibt es bereits länger andauernde, latente Unstimmigkeiten oder gar einen konkreten Auslöser, ist das eine emotional herausforderndere Situation, die in der Zeit nach dem Auseinandergehen vielfältige Schattierungen im Gefühlsleben abbildet.


Solange Wut, Groll und Enttäuschung noch vorherrschen, ist das grundlegende Gefühl, nämlich die Traurigkeit über den Verlust, nicht oder nur geringfügig fühlbar.

Solange, wie ich mich noch aufrege, scheint es weniger schmerzhaft zu sein, dass ein geliebter Mensch nicht mehr bei mir ist. Viele Facetten von bereits da gewesenen kleinen Unstimmigkeiten, die jedoch übergangen oder geschluckt wurden, kommen ins Bewusstsein und fordern eine Auseinandersetzung

mit der Trennung und den dazugehörigen Umständen heraus. Da ich mich in dieser Phase noch nicht

in meiner neuen Mitte eingependelt habe, also in der Mitte, die sich einfindet, ohne dass es diese Person weiterhin in meinem Leben gibt, empfinde ich es als einen Zustand des ‚Verzerrt-seins‘. Buchstäblich

zieht es mich innerlich da und dorthin, motiviert von kleinen, stechenden Empfindungen wie Wut, Entrüstung, Verletztheit, Unverständnis, Ohnmacht. In meinem Herzen wütet ein kleiner Wirbelsturm. Nicht permanent, jedoch wenn er sich in Bewegung setzt, ist es ganz schön ungemütlich. Es ist ein schmerzliches Gefühl, meine innere Basis an Glücklichsein, Zufriedenheit und Ausgeglichenheit in solchen Momenten nicht halten zu können. Es ist mein Ego, das leidet und solche Szenarien in Gang setzt.

Das weiß ich, und dennoch braucht die innere Wunde bewusste Heilung in meinem Zeit-Raum-Kontinuum. Es ist eine Leere entstanden, wo vorher eine gelebte Beziehung war. Stellt sich die ‚neue Mitte‘ ein, ist der Prozess abgeschlossen und der innere Frieden wieder hergestellt.



Mit dieser Mischung unterschiedlichster Gefühle blicke ich zurück auf die letzten Monate und auch Jahre. Es sind einige Freundschaften auseinander gegangen. Teils gab es rudimentäre Erklärungen, meist jedoch geschah es wortlos, ohne Vorankündigung, einfach so.

Ich bin damit einverstanden. Denn schaue ich mir die jeweilige Person und all die kleinen und subtilen Details an - die Zwischentöne, die sich


in der Art des Miteinanders eingenistet hatten - so ist es fast ein Segen und eine übergeordnete Richtigkeit, dass es diese und jene Freundschaft nicht mehr gibt. Es heißt jedoch auch, dass nach einem gelebten Sich-Aufeinander-Beziehen ein energetisches Loch entstanden ist. Solange ich noch in innerer Aufregung bin, solange werden tiefer liegende Emotionen von den oberflächlicheren, egobezogenen Ansichten verdeckt. Nach geraumer Zeit dann kommen tiefere Empfindungen hoch, solche, die mit wichtigen und nachdrücklichen Ereignissen zu tun haben und meist ein wiederkehrendes Muster erkennen lassen.


Deutlich spüre ich dann den Verlust und auch die Trauer, die solch eine Trennung, eine Auflösung gelebter Bindung, mit sich bringt. Das beruhigt mich, denn ich finde es menschlich und wichtig, Verlust und Trauer zu fühlen und eine liebe Seele zu vermissen.


Ein wenig seltsam ist es schon, dass häufig keine Aufklärung erfolgt. ‚Frau‘ ist einfach weg, und ich kann mich noch glücklich schätzen, dass ich einen guten Draht zu meiner universellen Weisheit habe, die mir vieles beantwortet. Dabei geht es nicht darum, Schuld zuzuweisen oder die eine oder andere der Beteiligten als besser oder schlechter hinzustellen. Intuitiv werden beide Menschen und ihre jeweiligen Aspekte beleuchtet, was einen Impuls nach oben spült, der mir Ruhe, Frieden und eine Erklärung schenkt.


Diese Erklärung ist gleichfalls eine Unterweisung. Sie macht mich aufmerksam auf etwas in mir, dass ich eventuell vorher noch gar nicht genau beobachtet hatte. Mir wird beispielsweise klar, wie ich eventuell auf diese Person gewirkt habe, woran sie sich gestört haben mochte, und ich kann mich damit befassen.


Es muss nicht unbedingt sein, dass ich mich deswegen ändern möchte, wenn ich mit dieser Wirkung, mit einer bestimmten Art von mir völlig im Reinen bin. Es ist in Ordnung, wenn mich nicht jeder so nehmen kann, wie ich bin. Ich bin die Einzige, die mich gut zu finden hat, mit allen Macken und Eigenschaften. Ich reflektiere mich und verändere mich, aber eben nur dort, wo ich es zu dem jeweiligen Zeitpunkt tatsächlich als wahrhaftig erachte und es meinem inneren Wunsch entspricht, mich zu klären, zu reinigen und zu ent-wickeln. Ich verbiege mich keineswegs mehr, nur um jemandem ein gutes Gefühl zu geben. Das muss auch niemand für mich tun.


Wie kann ich damit umgehen, wenn eine Freundschaft endet?

Wenn ich schnell erkenne, dass es im Grunde ganz prima ist, und es gar nicht richtig gepasst hat, bin ich froh und dankbar und muss nichts weiter tun, außer diesem Menschen aus tiefstem Herzen wohlgesonnen und ihm wertfrei gegenüber eingestellt zu sein. Ich sage dann gerne meinen kleinen Spruch: „es ist woanders entschieden worden“. Die universelle Führung ist hier und jetzt, unmissverständlich und allzeit wahrhaftig. Vertraue ich mich ihr an, schenkt sie mir ein Leben in Leichtigkeit und begleitet mich durch die Höhen und Tiefen der Lebenswellen.


Wenn ich nicht so einverstanden bin oder es nicht begreifen kann, ist es eine andere Sache. Dann kommen die Gedanken an diese Person immer wieder ins Bewusstsein, und mit den Gedanken kommen die Emotionen und breiten sich in meinem System aus. Das tut weh und der erste Impuls ist es meist, den Schmerz so schnell wie möglich wieder zu verdrängen. Wer spürt schon gerne Schmerz?


Als zweite Reaktion fordere ich mich dazu auf, die Emotion zu halten und lade sie somit ein, bei mir zu sein, in meinem System zu schwingen und ‚mit mir mit‘ zu gehen. Nebenher kann ich alles andere wie gewohnt denken, machen, fühlen. Ich fühle und spüre auf mehreren Kanälen zugleich. Das ist im Laufe intensiver Prozessarbeit in den Jahren meines spirituellen Weges entstanden. Es kommt vor, dass ich mich dabei nicht mag, denn die Emotion ist häufig nicht nur eindimensional, das heißt es ist nicht einfach nur Trauer, oder Wut, sondern es hängen vielschichtige Facetten weiterer Empfindungen daran, die geknüpft sind an unterschiedliche Erlebnisse, die durchaus auch ganz andere Hintergründe haben können. Blitzartig fühle ich ein Chaos an Schuld, Wut, Ärger, beleidigt und enttäuscht sein, an Häme oder Scheinheiligkeit, und wahrscheinlich noch einiges mehr, was es hier aufzuzählen gäbe.


Das ist in Ordnung, es heißt einfach, dass ich zu tun habe und dass ich tiefer in die Materie eindringen und

mir über das eine und andere klar werden kann. Ist dies zu komplex, rufe ich jemanden an oder treffe eine Person, die meine Sprache versteht, der ich vertraue und die mir neutral bei der Klärung hilft. Das kann sowohl jemand im Freundeskreis als auch jemand Professionelles sein. Indem ich meine Belange ausspreche, findet bereits eine Klärung in mir statt, denn je weniger Worte ich für die Geschichte drumherum benötige und je gezielter ich meine reflektierten Eindrücke verbalisiere, umso fruchtbarer wird der Austausch. Die mich spiegelnde Person kann nachfragen, bestätigen oder ein wohlwollendes ‚Stopp‘ einbringen. Was es auch ist, das wertschätzende Zuhören und die empathische Neutralität dieser Person helfen mir schnell, tiefer und umfassender wahrzunehmen, was bei mir los ist und wieso ich in Emotionen schwinge. Das ist heilsam und überaus erleichternd. Darüber hinaus braucht es schlicht und einfach auch Zeit, um solch einen Einschnitt zu verarbeiten. Mit Geduld und Hingabe an mein wertfreies Selbst werde ich Monat für Monat besser mit der Situation umgehen können.


Unsere momentane Zeit, die Corona-Zeit, scheint regelrecht prädestiniert, Erfahrungen dieser Art entstehen zu lassen. Die durch Propaganda gefestigte Spaltung ist leider von vielen Menschen angenommen worden und ist somit im Alltag spürbar. Es ist erstaunlich, traurig und teils erschütternd, dass sich manchmal keine Brücken mehr schlagen lassen zwischen Menschen, die sich über Jahre und Jahrzehnte begleitet haben und wo doch eigentlich viel mehr da sein müsste, als nur dieses eine Thema, das schon viel zu lange unseren Alltag, unser Denken und unsere Herzensbeziehungen beeinflusst.


Ich liebe den Ausdruck ‚Brücken schlagen‘, er lässt in mir etwas sehr Tiefes anklingen. Vielleicht dürfen wir etwas Neues und Wahrhaftiges im Einzelnen und im Kollektiv integrieren, indem dieser Ausdruck unter dem jetzigen Hintergrund umfassend beleuchtet und verstanden wird. Ich bin herausgefordert, meine Fähigkeit zur Toleranz, zur neutralen Gesprächsführung, zum liebevollen Miteinander und zur demokratischen Meinungsfreiheit zu überprüfen. Es kann sich ein großer Raum voll neuen Inputs und gelebter Menschlichkeit öffnen, um ein gemeinsames Leben mit Werten wie Toleranz, Mitgefühl, Zuverlässigkeit, Angstfreiheit, Genuss, Respekt, Aufrichtigkeit zu führen.



Jeder Einzelne ist aufgefordert, sich selbst und nur sich selbst anzuschauen. Dies gilt umfassend und themenübergreifend. Eine Chance in jeder Hinsicht.




Lassen wir den Mut nicht sinken und blicken hoffnungsfroh und gut gelaunt in die Zukunft,

in dem wir den Moment begrüßen, ihn leben

und unsere Menschlichkeit wachsen und gedeihen lassen.






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