• antinaspringer

Derzeit aktiviert - unser Furchtzentrum 'Amygdala'

Aktualisiert: Juni 25

Juni 2021, endlich Sommer! Endlich einige Lockerungen der gegenwärtigen gesellschaftspolitischen

Maßnahmen! Aufatmen – und genießen!


Ich nehme es zum Anlass, über ein Thema, besser gesagt einen Zustand zu schreiben, der mir in den letzten Wochen und Monaten in meiner praktischen Arbeit häufig begegnet ist.


Dieser Zustand hat mit unserem Schädel, lateinisch ‚cranium‘, zu tun. Unbestritten ist unser Schädel

ein wichtiger Körperteil, eine wichtige Schaltzentrale und mit gutem Grund einer der Namensgeber

der craniosakralen Körperarbeit.


Der Schädel besteht aus einem Gesichts- und einem Hirnschädel.

Ich beleuchte einige Anteile des Hirnschädels:


  • Die Amygdala, der sogenannte Mandelkern, ein Teil des limbischen Systems und somit ältesten Hirnareals

  • Die Schädelknochen Os temporale (Schläfenbein) und Os frontale (Stirnbein)

  • Das Tentorium (Kleinhirn), genauer gesagt das Kleinhirnzelt, lateinsch tentorium cerebelli, noch genauer die Aufhängung (Anbringung) des Kleinhirnzeltes am Felsenbein (pars petrosa)


Lage der Amygdala im Schädel. (aus istockfoto.com)

Vor allem die Entstehung von Angstgefühlen ist hier verankert. Die Amygdala ist ein paariges Kerngebiet des Gehirns und liegt hinter dem Schläfenbein ungefähr in dessen Mitte.


Wenn ich zu Anfang der craniosakralen Sitzung meinen kleinen Test, das ‚listening‘ (Hineinlauschen in den Körper) mache, fällt es mir nun häufig auf, dass sich der Schädel mit Verziehungen oder Verwringungen, therapeutisch 'Läsionen', seiner inneren Strukturen meldet. Meist zieht es meine Hand auf dem

Schädeldach dabei von rechts nach links.


Die linke Gehirnhälfte repräsentiert den analytischen Anteil im Menschen. Es ist das Areal, was uns denken und die Matheaufgaben lösen lässt, mit dessen Hilfe wir Pläne und Strategien entwickeln

und Sachverhalte begreifen. Sie ist dem männlichen Prinzip, Yang, zugeordnet. Die linke Körperhälfte bildet gerne die Vergangenheit ab.

Die rechte Gehirnhälfte ist zuständig für Kreativität, intuitives Fühlen und Handeln. Sie ist dem weiblichen Prinzip, Yin, zugeordnet. Musik, Tanz, Malerei und alle erdenklich künstlerischen Formen haben hier ihren Ausdrucksort. Das Leben mit seinen Inhalten kann außerdem empathisch erfasst werden. Die rechte Körperhälfte unterstützt gerne das gegenwärtige Geschehen.


Zurück in der Behandlung gibt mir das 'listening' einen ersten Hinweis über mögliche kleinste Verziehungen/Läsionen des Gewebes.


Wie kannst du dir solch eine Läsion vorstellen? Genau wie fast jeder Mensch muskuläre Verspannungen

im Hals/Nacken- und Rückenbereich kennt, treten ‚Verspannungen‘ auch im tiefen Gewebe des Körpers und des Schädels auf. Auch hier reagieren die Strukturen auf äußere Einflüsse, wie beispielsweise Stürze, Stress, viel Sitzen und wenig Bewegung, sowie auf innere Einflüsse, also auf unsere Gedanken und Gefühle. Die Folge einer Verspannung jeglicher Art ist eine Bewegungseinschränkung der betroffenen und der umliegenden Strukturen.


Beginne ich mit der Behandlung und arbeite am Schädel, zieht es mich schnell zur Amygdala. Das Furchtzentrum ist also aktiviert.

Die Lokalisierung der Läsionen im Schädel basiert auf meiner Spürwahrnehmung. Ich bekomme einen Zugang zu deinem System und eine Einladung, mich in dessen Tiefe zu versenken. Es ist zum Glück nicht immer notwendig, den genauen inneren Ort der Läsion zu erkennen, denn die meisten werden auf ein benachbartes oder gegenüberliegendes Gebiet projiziert. So arbeitet der Körper, um Schaden abzuwenden und seine Funktionalität bestmöglich aufrecht zu erhalten.

Wichtig ist, im Jetzt, in diesem Moment der Behandlung, die mir präsentierte Situation zu erfassen und mit ihr umzugehen. Ich lasse mich von der Sprache deines inneren und äußeren Schädels führen.

Die Läsionen lösen sich, da die craniosakralen Impulse - die achtsame Bezeugung - Körperflüssigkeiten

ins Fließen bringen und energetische Stauungen beseitigen, also die natürliche Bewegung der Gewebe- und Knochenstrukturen fördern. Das Nervensystem reguliert sich und der Vagus-Nerv aktiviert deine Selbstheilung.

Im weiteren Verlauf harmonisiert die craniosakrale Behandlung beide Körper- und Schädelhälften und entspannt den Menschen als Ganzes.

Dass das Phänomen der aktivierten Amygdala mit der aktuellen gesellschaftlichen Situation in Verbindung steht, scheint offensichtlich. Die Amygdala ist das Furchtzentrum. Im limbischen System werden

Ereignisse mit Emotionen verknüpft und gespeichert. Daraufhin bilden sich Nervenbahnen und spätere, ähnliche Ereignisse aktivieren das abgespeicherte Geschehen. Das bedeutet, dass sich Emotionen wiederholen, auch wenn das aktuelle Ereignis nicht die gleiche Bedeutung besitzt wie die ehemals erlebte Situation.


Ängste, Sorgen, Anspannung, Stress, Furcht…damit sind wir im aktuellen Szenario. Und natürlich – wie entwickelt sich die Zukunft? Wird es gut weitergehen oder wird es schwer werden? Wie kann ich, können wir als Gesellschaft weiterleben?


Wer in der Vergangenheit seine Angstspeicher aufgefüllt hat oder auffüllen hat müssen, wer also Angst-Resonanzen gebildet hat, wird stärker auf eine tatsächliche oder scheinbare Gefährdung reagieren,

als jemand, der sicherlich auch Ängste hat – denn die haben wir entstehungsgeschichtlich bedingt alle –

diese jedoch niederschwelliger Natur sind oder wo schlichtweg andere Themen eine Rolle spielen.


Soziales Miteinander, aktiver Sport und erholsame Auszeiten waren nicht oder nur reduziert möglich. Entspannung, also die Aktivierung des parasympathischen Vagus-Nervs, ist schwer gefallen. Dafür hat sich das Nervensystem in die sympathische Richtung verlagert, also die Anspannung erhöht.

Dies scheint dazu beizutragen, dass Menschen, die nicht explizit mit Gegenwartsängsten in die Praxis kommen, sondern ihre üblichen Themen mitbringen, wie Schmerzen im Bewegungsapparat, Abdominalbeschwerden, psychisch belastende Situationen, klimakterische Beschwerden und vieles mehr, dennoch recht häufig über das 'listening' das oben beschriebene Bild zeigen, also eine Amygdala- oder sonstige Verspannung im Schädel.


Das Kleinhirnzelt und die Falxen, also die horizontale (falx cerebelli) und vertikale (falx cerebri) Unterteilung des Gehirns. Vielleicht kannst du dir in Verbindung mit der Abbildung unten in etwa vorstellen, wo das tentorium cerebelli und die pars petrosa verbunden sind? (aus kimiahealing.co.uk)



Der Körpersprache folgend sowie nach geeigneten Stellen am Schädel suchend, an denen ich die Läsion ansprechen und zum Lösen auffordern kann, führt es mich sehr häufig zum Kleinhirnzelt, dem tentorium cerebelli, genauer gesagt dorthin, wo dieses an den Felsenbeinpyramiden befestigt ist. Berühre ich diese Stelle über das Schädeläußere im biodynamischen Sinne, also durch ein längeres dort verharren, beginnt sich die Verziehung merklich zu lösen.


Begleitende Schädelgriffe zur Vor- und Nachbereitung dieses Griffes sind wertvoll und unverzichtbar.

Es bieten sich beispielsweise das Schläfen- und das Stirnbein an. Hinter dem Stirnbein befindet sich der Neocortex, der entwicklungsgeschichtlich wohl jüngste Gehirnanteil. Er stellt unsere Denkfähigkeit her und lässt uns Bewusstsein ansammeln.


Nr. 1 : Os frontale, Stirnbein

Nr. 8: Os temporale, Schläfenbein

(aus Wikipedia.de)

Unten: Schläfenbein mit dem Felsenbein, der pars petrosa

(aus thieme.de)



Berührungspunkt für den Kontakt mit dem Kleinhirnzelt

Von den Ohrspitzen ausgehend nach caudal (hinten zum Kopfende hin) wird ein Finger beidseitig geführt, bis eine kleine Kuhle zu spüren ist. Dort wird verharrt.


Die Spannung, die links und rechts in unterschiedlichem Maße ausgeprägt sein kann, lässt sich gut spüren und ich bekomme viel von den Bewegungen im Schädelinneren mit, obwohl es eine kleinste Berührung ohne Druck ist.






Die Amygdala ist ungefähr hier zu finden

Wir erinnern uns, sie ist in etwa mittig des Schläfenbeins.


Oft meldet sich auch eins oder beides der Ohren und möchte ebenfalls behandelt werden. Im Schläfenbein integriert ist das Innen- und Mittelohr, ebenso bildet das Schläfenbein die Gelenkpfanne des Kiefergelenks.





Ist es nicht spannend, wie die Strukturen verbunden sind? Ich liebe es, diese Zusammenhänge bei jedem meiner Patienten auf individuelle und immer wieder neue Art zu erfahren.

Links: Frontale (Stirnbein). Unten: 3 Strukturen: Sphenoid (Keilbein), Arcus zygomaticus (Jochbeinbogen), Temporale (Schläfenbein)



Sphenoid (Keilbein) und Occiput (Hinterhauptbein).

Beide Knochen bilden in ihrer Zusammenführung die Schädelbasis.

Unterhalb des Mastoid (Warzenfortsatz) den Querfortsatz des 1. Halswirbels (Atlas) spüren, hier in Verbindung mit dem Kiefergelenk




Möchtest du deine Ängste anschauen? Gerne bin ich für dich da! Gemeinsam geht es besser!




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