• antinaspringer

Haben wir keine Zeit mehr? Und war Rücksichtnahme gestern?

Der Straßenverkehr gleicht mittlerweile einem Schlachtfeld. Jeder gegen jeden und der Stärkere respektive Schneller hat Vorfahrt.

Es greift ein Egoismus um sich, der virusartig unsere Menschlichkeit zu gefährden scheint.

Fußgänger gehen über die Straße, wo sie gerade stehen oder gehen. Möglicherweise gibt es sogar

ein paar Meter weiter einen Zebrastreifen, aber das ist heute uninteressant geworden. Rechts und links gucken, bevor die Straße überquert wird? Ein Relikt vergangener Zeit! Ich erinnere mich, dass wir als Grundschulkinder diese Regel mit unserer Lehrerin so profund eingeübt haben, bis es bei jedem in Fleisch und Blut überge-gangen war.


Heute, wo sich (fast) jeder Mensch der Nächste ist, ist so etwas unnötig geworden. Mann und Frau tun einfach, was gerade für ihn und sie ansteht. Die Anderen haben selbst Schuld, wenn sie zur gleichen Zeit am selben Ort sind und müssen eben besser aufpassen beziehungsweise zurückstecken.


Ich gebe zu, dass ich mich durchaus auch schon in dieser „aktuellen Mentalität“ beobachtet habe. Zum Beispiel, wenn ich noch schnell mit dem Rad oder Auto jemandem vorfahren musste, um nicht anhalten

zu müssen und weil ich mir in einer gewissen Arroganz einbildetet, die Situation vollends im Griff zu haben. Ist doch nicht so schlimm, wenn sich der andere Verkehrsteilnehmer erschreckt und sich respektlos behandelt fühlt…nicht mein Problem, oder?


Bei nächster Gelegenheit kehrt sich die Rollenverteilung um, habe ich bemerken müssen. Dann wird das Opfer zum Täter und der Täter zum Opfer. Dann ist es plötzlich gar nicht mehr lustig, von einem anderen rücksichtslosen Menschen in Schach gehalten zu werden.


Diese Szenarien ließen sich in sämtlichen Varianten durchspielen, was sicherlich nicht notwendig ist, da jeder von uns wahrscheinlich unzählige Episoden dieser Art erlebt hat.


Wo sind Anstand, Höflichkeit, Freundlichkeit geblieben?

Mich berührt es und es macht mich betroffen, wenn mir mit Aggression und Verurteilung begegnet wird, die keinen Raum für normale menschliche Begegnung lässt. Ein Beispiel doch noch: Als ich letztens aus der Apotheke komme und mein dort vor der Tür abgestelltes Fahrrad besteigen möchte, mich umschaue ob der Weg frei ist, zieht ein älteres Ehepaar mit kleinem Kind an der Hand an mir vorbei und ich ernte einen Blick, der mich eigentlich hätte tot umfallen lassen müssen. Nein, ich war noch nicht losgefahren, ich musste nicht notbremsen, habe mich umgeschaut, um selbstverständlich die Fußgänger passieren

zu lassen, bevor ich starte. Es wird nicht gesehen, ich werde nicht gesehen und eine grundlegende Freund-lichkeit dem Anderen gegenüber sieht meiner Ansicht nach auch anders aus. Aller Wahrscheinlichkeit nach haben diese Menschen ihre 'unguten' Lektionen bereits gelernt, und nun wird gleich von Beginn an Unfreundlichkeit, Vorurteil und Aggression ausgesendet?! Sehr schade, vor allem wenn diese Spirale von „einstecken und austeilen“ nicht durchbrochen wird.



Ich frage mich, wo Höflichkeit, Anstand, Freundlichkeit geblieben sind? Sind dies nicht schöne, er-strebenswerte Tugenden und Werte, die, werden sie sowohl empfangen als auch gegeben, das Leben schöner machen, das Herz berühren und Freude erschaffen? Ist dies nicht sogar unsere menschliche Normalität?


Es kursiert allem Anschein nach eine große Angst, zu kurz zu kommen und übervorteilt zu werden. Dem anderen wird nichts mehr vergönnt, es herrscht Misstrauen. Darunter leidet nicht nur die Menschlichkeit im Allgemeinen, sondern an aller erster Stelle die eigene.


Komme ich wirklich schneller ans Ziel, wenn ich hetze, mich vordränge, nicht links und nicht rechts schaue?

Spüre ich mich in dieser Form der Egozentrik, kann ich dabei geerdet und empathisch sein? Möchte ich Teil dieses Schlachtfeldes sein oder sind mir Werte wie Höflichkeit, Anstand, Freundlichkeit wichtig?


Ich entscheide mich klar für diese Werte. Auch wenn das heißt, das ich x-mal hintereinander stehen bleibe, damit der Andere vorbei kommt, auch wenn ich warte und passieren lasse, obwohl ich an der Reihe wäre. Im Gegenzug werde ich unzählige Situationen erleben, in denen ich zuvorkommend und freundlich behandelt werde. Das habe ich immer wieder erfahren.



Im Universum geht keine Energie verloren.



Wurde ich mir darüber klar, wo ich rücksichtslos war, gewollt und ungewollt, und habe ich dies bewusst bei nächster Gelegenheit verändert, ist mir umgehend etwas mindestens ebenso Schönes geschehen. Das setzt Freude im Herzen frei. Bist nicht auch du dankbar für jede noch so kleine Geste der Freundlichkeit, wenn dir die Hand gereicht wird und du echter Menschlichkeit begegnest?


Und wenn auch der Großteil der Menschen immer noch in Aggression und Rechthaberei feststeckt,

kann ich mich immer wieder dafür entscheiden, menschlich zu sein. Dabei fühle ich mich ganz und gar nicht als Opfer oder Schwächling. Als spiritueller Mensch, der eine menschliche Erfahrung macht, geschieht das, was ich fühle, denke und wie ich handle, in erster Linie und ausschließlich für mich selbst.


Veränderung bedürfen Mut, Ehrlichkeit, Geduld

Im totalen Erkennen meines Selbst hat es nie einen Anderen gegeben. Wahr ist auch, dass du ich bin und ich du. Mit jeder Grobheit und Rücksichtslosigkeit zeigt es sich im Außen, wie ich im Innen mit mir selbst umgehe.


Wenn ich Aggressionen im System aufgestaut habe, müssen sie sich zeigen, damit ich Klarheit über meinen Zustand gewinnen kann. Ich plädiere keinesfalls dafür, Emotionen zu unterdrücken und auf „lieb Kind“ zu machen. Jede störende Emotion, jeder bindende Glaubenssatz und Gedanke darf und soll

zu gegebener Zeit an die Oberfläche kommen, damit diese Zustände angeschaut, benannt und gelöst werden können.


Einfach ist das nicht. Es erfordert Mut. Mut, sich wahrheitsgetreu anzuschauen und auszuhalten, was

sich aus den Tiefen des Unterbewusstseins zeigt. Es bedarf Mut, Ausdauer und Überzeugung, um Ver-änderungen durchzuführen und durchzuhalten. Es bedarf Geduld, bis die bewusst gewordenen Inhalte

in die Tiefe des Seins eingesunken sind. Dort angekommen, kostet Veränderung, kosten menschliche Verhaltensweisen wie Höflichkeit, Anstand, Freundlichkeit keine Anstrengung mehr. Die Werte wurden realisiert und fließen einfach aus dir heraus. Eine große Erleichterung tritt ein, die deinen Körper entlastet und deine emotional-psychische Struktur befreit. Ein Segen für dich und die Menschheit. Ein Sieg der Menschlichkeit.




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Antina Springer - Heilpraktikerin